Bildstöcke4

 

Sockel, Säule und Gehäuse charakterisieren die Form, die sich die meisten Leute unter einem Bildstock vorstellen. Diese Form hat sich auch am meisten durchgesetzt und kann in Reiterswiesen auch am meisten in Flur und Dorf gefunden werden. Einer der ältesten dieser Gattung steht an der Kreuzung Kissinger Straße / Burgstraße, dort wo einst die Dorflinde stand. Der monolithische 200 cm hohe Bildstock aus Sandstein steht auf einem 40 cm hohen Sockel ohne Inschrift. Die Inschrift: „ANNO 1619 DEN 15 JUNI IST JORG BORST VON GROSSENBACH HOFBAVER V. BODELAW Jüber EMELICH DVRCH EINES BAVMES FALL ERDÖTET WORDEN DER SEL GOTT GENEDIG SEIN WOLL AMEN“, ist im Kapitell eingemeißelt. Darüber ist das Steinmetzzeichen eines unbekannten Künstlers eingraviert. Die beiden Voluten am Kapitell lassen schon eine Auflockerung von den geraden Zügen der Gotik zu den weichen Linien der Renaissance erkennen. Auf der Bildseite ist die Kreuzigung mit zwei seitlich angeordneten Assistenzfiguren dargestellt. Auf den Seitenflächen sind der Kirchenpatron Sankt Laurentius mit den typischen Erkennungsmerkmalen Buch und Rost, sowie der Heilige Kasparus als Namenspatron des Stifters Kasparus Weipert abgebildet. Man kann davon ausgehen, dass Jorg Borst noch einige Tage nach dem Unfall lebte, da sein Tos erst 9 Tage später in der Pfarrmatrikel erscheint. Auf alten Fotographien des Bildstockes kann man erkennen, dass das ursprüngliche 20 cm hohe Kreuz auf dem Gehäuse durch ein anderes ersetzt wurde, welches aber heute auch nicht mehr vorhanden ist.